• Aus “der Bestie” wird “das Beste”!

    Hallo ihr Lieben!

    Bevor ich zu den positiven Meldungen kommen kann, habe ich leider auch etwas sehr Trauriges:
    Gestern starb Emir Bonnaly von Jomarquiteira. Emir war der Vater unseres wundervollen A-Wurfs und wurde fünfzehneinhalb Jahre alt. Emir schlief friedlich zuhause in seinem Rudel ein. Unsere Gedanken sind beim Malvengarten-Rudel und unseren Freunden Elisabeth und Markus und ihren Kindern.

    Um auf die Überschrift zurückzukommen: Unser Bärchi Emmett wird von Tag zu Tag toller. Inzwischen hat er schon viele, ihm fremde Menschen kennengelernt und ihr werdet es kaum glauben. An keinem von denen fehlt ein Körperteil. Auch seine Unruhe wird besser, wobei ihm Stress immer noch zusetzt. Aber das kriegen wir hin. Aufmerksamen Lesern unserer Seite wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich Emmetts Seite verändert habe.

    Und für alle, die die Hinweise dort und meine falsche Beteuerung aus dem letzten Post: “Wollen wir ihn noch vermitteln? Ja, natürlich, absolut sicher, keine Frage …” noch nicht verstanden haben: Emmett bleibt bei uns. Ginge auch nicht anders, denn man müsste ihn wahrscheinlich mit einem Schneidbrenner aus unserem Rudel herausschneiden, so fest sind seine Beziehungen zu unseren Mädels, im Besonderen zu Dori, seiner Halbschwester.

    Hatte ich nicht irgendwann geschrieben, dass unser nächster Hund ein Collie sein würde? Wieso habe ich es eigentlich mit sechsundfünfzig Jahren – ja, ich weiß, ich sehe weitaus jünger aus (Grins) – immer noch nicht gelernt: Immer wenn ich mir besonders sicher bin, wo es hingeht, setzt sich einfach mal die Straße ans Steuer und dann geht es eben ganz woanders hin. Ist so!

    Auf jeden Fall ist Emmett eine riesige Bereicherung. Ich habe selten einen fröhlicheren, liebevolleren und verkasperteren (schon wieder ein Wort erfunden, glaube ich) erlebt, als unser (neues) Bärchi. Und die ab und an “etwas” störende Lautstärke kriegen wir auch noch in den Griff.

    Und Mimi? Die Röntgenkontrolle hat ergeben, dass die Pins, mit denen das Fußgelenk nebst Bändern fixiert sind, sehr gut an ihren Plätzen halten und damit alles bestens ist. Leider wächst der Mittelfußknochen nicht ganz so problemlos zusammen. Aber es ist der Äußere und somit ist er für das Laufen auch nicht ganz so wichtig, aber die Schiene nebst Verband muss halt noch ein wenig dranbleiben. Somit ist Spielen, Rasen, Rennen eben auch nicht. Das findet Mimi ziemlich doof.

    Wir wurden gestern zum zweiten Mal geimpft. Nein, nicht gegen die Kooiker-Sammel-Wut, sondern gegen Corona. Leute, lasst Euch impfen. Es ist uns zwar heute ein bisschen mies, aber das ist doch wohl immer noch besser, als mit Maske oder Tubus beatmet in der Intensivstation zu liegen. Glaubt mir, ich weiß sehr genau, wovon ich spreche.

    Wir gehen jetzt nochmal kurz mit den Hunden raus und dann machen wir alles zu, Rollläden runter und verschanzen uns gegen die Hitze. Na gut, später will ich die neue Gartendusche probeduschen, aber bis dahin… Passt auf Euch auf, denkt dran, dass der Asphalt heiß ist und Eure Hunde keine Schuhe tragen und bleibt uns gewogen,

    Salli

  • Ein Update

    Mit Erschrecken habe ich gesehen, dass mein letzter Artikel vom dreizehnten Mai ist. Tempus fugit, sagt der Lateiner. Die Zeit rennt. Seit dem letzten Update haben uns Baustellen in und ums Haus, die Pflege von Mimi und die Erziehung von Emmett so ein ganz klein wenig beschäftigt. Deshalb jetzt erst das nächste Update:

    Mimi war vorhin beim Verbandswechsel, alles sieht sehr gut aus. Schon letzte Woche wurden die Fäden gezogen, auch alles gut. Und die Maus ist so brav. Sie braucht überhaupt keinen Kragen. Wir müssen nur ganz selten etwas zum Thema “Knabbern am Verband” sagen. Zwischen Wohn- und Esszimmer steht immer noch ein Welpengitter. Das dient nicht dazu die Anderen vor Mimi oder Mimi vor den Anderen zu schützen, aber wenn wir die Vier zusammen ließen, würde Mimi sofort spielen wollen und dabei würde sie sicherlich ihr Bein zu sehr belasten. Ist halt so, geht nicht anders.

    Nächste Woche ist Röntgenkontrolle, dann werden wir sehen, ob das ganze Metall in Mimis Bein noch am richtigen Fleck sitzt. Wir haben schon alle Magneten von der Kühlschranktür entfernt, nicht dass Mimi da plötzlich dran hängen bleibt (GRINS).

    Und Emmett?

    Emmett ist ein echter Gute-Laune-Hund. Er bringt sogar Faye dazu, mit ihm zu spielen. Plötzlich wird Uroma Faye dann zum Welpen, springt rum und tapst Emmett mit den Pfoten an . So süß! Dori hat ihn inzwischen voll akzeptiert. Sie lässt ihm sogar mehr durchgehen als ihrer eigenen Mutter. Na da hat aber einer einen Stein im Brett.

    Draußen, an der Leine ist er lammfromm. Bisher hat er noch keinen fremden Hund gefressen, geschweige denn angebellt.

    Die Leinenführigkeit wird immer besser. Bekannte Besucher werden mit imenser Fröhlichkeit begrüßt. Emmett liebt Besuch. Bei Fremden ist er genau so begeistert, bellt etwas mehr und freut sich wenn er gestreichelt wird. Nach drei bis vier Minuten hat er dann erst mal genug und macht sein eigenes Ding. Auch Menschen wurden von ihm bisher noch nicht gefressen, Abschlabbern zählen wir nicht mit (GRINS).

    Ja, er ist immer noch etwas laut und etwas pubärig, was wohl daran liegt, dass der nachlassende Chip ihn in eine zweite Pubertät zwingt. Schei…! Den Unsinn hätte man sein lassen sollen, Erziehung hätte mehr gebracht. Aber es gibt schon viele gute Tage, an denen er ganz leise ist, wenn man z.B. die Tür zum Garten öffnet. Bellende Nachbarhunde findet er noch nicht so toll, aber das Wetter ist gut und er wird sich draußen wohl an die Geräuschkulisse gewöhnen.

    Ich finde unser Bärchi ja mächtig klasse. Keiner freut sich so, keiner ist so albern, keiner macht so gute Laune und den Rest kriegen wir in den Griff, da bin ich mir sicher.

    Wollen wir ihn noch vermitteln? Ja, natürlich, absolut sicher, keine Frage …

    Ich versuche ein weiteres Update nach der Röntgenkontrolle. Corona und Lockdown haben einen kleinen Stau an Aufgaben hinterlassen. Und der Neustart fällt schwer. Schließlich bin ich doch gerade erst aus dem Winterschlaf aufgewacht.

    Bis bald, bleibt gesund!

    Salli

  • Emmett, der Sanfte!

    So, jetzt ist Schluss! Ich werde mich nicht weiter über diese Menschen aufregen, die Emmett, einen der süßesten und liebsten, sanftesten und wunderbarsten Hunde, die ich kenne, einfach im Stich gelassen haben und ihn, nur um sich vor sich selbst zu rechtfertigen, als aggressiv bezeichnet haben. Ich habe diese Leute über acht Wochen mietfrei in meinem Kopf wohnen lassen. Aus, vorbei, ich kündige! Wegen Eigenbedarf!

    Das bisherige Bild, das wir von unserem Süßen haben, festigt sich immer mehr. Emmett ist und bleibt lammfromm. Auf Spaziergängen begrüßt er freudig alle Nachbarn, flirtet mit dem weiblichen Teil und lässt sich gnädig von der männlichen Hälfte streicheln. Am Montag hatten Tina und er die erste (ungeplante) Hundebegegnung. Als er den anderen Hund sah, sagte Tina: “Das interessiert uns jetzt nicht!” Er schaute Tina an, als wolle er fragen: “Wirklich?” Als Tina das bestätigte und sich ruhig nach vorne wandte und weiterging, seufzte er einmal und ging mit. Kein Bellen, kein Knurren, NICHTS.

    Das warme Wetter verschaffte uns außerdem die Gelegenheit zu testen, wie sich Emmett und die Fliegengittertür vertragen würden. Wir hatten die ersten Stunden sicherheitshalber ein Welpengitter in der offenen Terrassentür, um das Fliegengitter zu schonen, aber das konnten wir sehr schnell wieder entfernen. Danach lag er völlig gechillt vor der Tür, die Nase im leichten Wind und schlief. Erstaunlich!

    Insgesamt sind seine Ausbrüche gegen Feind-Vögel und andere “Bedrohungen” aus dem Garten erheblich seltener geworden. Die Haustürklingel ist natürlich immer noch ein Grund heftig zu bellen. Kläffende Hunde in der Nachbarschafft stören auch, aber insgesamt wird er massiv ruhiger und ausgeglichener. An den wenigen warmen Abenden konnten wir gemütlich auf der Terrasse sitzen. Emmett lag in der Nähe und hatte die Augen zu.

    Mit Dori und Faye hat er nicht mehr die geringsten Probleme. Die drei können halb aufeinander herumklettern, wenn sie mich oder Tina fröhlich begrüßen. Mimis Verletzung wird uns natürlich ein wenig in Atem halten und unsere Prioritäten verschieben sich erstmal wieder in ihre Richtung. Aber das sollte kein Problem sein, denn eines haben die letzten Wochen gezeigt, Ruhe tut Emmett gut und da Corona immer noch nicht vorbei ist, haben wir ja Zeit.

    Update Mimi:

    Tina hat Mimi am Dienstag abgeholt. Diesmal war Marion – unsere zuverlässige Unterstützung bei allen Würfen – mit von der Partie. Alles hat wunderbar geklappt und Tina ist mit Mimi nach ganz kurzem Zwischenstopp gleich weiter in den Harz. Wir dürfen wieder vermieten und zu Pfingsten reisen die ersten Gäste an. So ist noch einiges zu reinigen und wir haben ein paar Sachen vor uns hergeschoben, die von Handwerkern ausgeführt werden. So hat Mimi viel Ruhe und Tina kann sich um sie kümmern und doch gleichzeitig einiges erledigen (lassen).

    Mimis Bein ist durch zwei Halbschalen geschient. Darunter und darüber ist Verbandsmaterial. Gestern war der erste Verbandswechsel, alles sieht gut aus. Anfangs musste Tina Mimi noch beim Gehen helfen. Ein Schal unterm Bauch nahm etwas Gewicht vom geschienten Bein und half bei den ersten Schritten. Das ist inzwischen nicht mehr nötig. Wenn Tina und Mimi in den nächsten Tagen hier ankommen, werden wir die Mäuse noch ein wenig trennen, damit Mimi mehr Zeit und Ruhe hat, nicht weil wir Angst vor weiteren Keilereien haben.

    Es sieht also alles ganz gut aus, aber natürlich werden die nächsten Wochen schwer und werden uns, und vor allem Mimi einiges abverlangen. Ich berichte weiter und halte Euch auf dem Laufenden, auch wenn ich beim nächsten Post wohl erst mal ein paar spannende Geschichten zum Besten geben muss 🙂

    Salli

  • Sorge um Mimi

    Wir sind in großer Sorge um unsere kleine Mimi. Am Samstag gab es zwischen unseren Hunden eine Keilerei im Garten. Dabei wurde Mimi der Mittelfußknochen gebrochen und das Fußgelenk ausgerenkt und dabei so ziemlich alle Bänder durchgerissen. Die Pfote baumelte einfach nur noch am Bein.

    Einen Hilferuf später stand Silke (das Frauchen von Kessi/Daryl) vor der Tür und begleitete Tina und Mimi  zuerst in eine Notfallpraxis und dann in die Klinik der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Die ersten Nachrichten aus der Notfallpraxis waren grausig, es wurde sogar davon gesprochen, dass es unter Umständen nicht möglich sein würde, das Bein zu retten. Die Wartezeit in der Klinik war lang, aber gegen 21.00 Uhr war klar, dass das Bein sehr wahrscheinlich zu retten sein würde und das Mimi erst mal ein paar Tage in der Klinik verbringen müsse. Die OP wurde (je nach Einlieferung lebensbedrohlicher Notfälle) für Sonntag oder Montag angesetzt.

    Gestern wurde Mimi operiert. Alles ist gut gegangen, der Fuß ist noch dran und heute können wir sie schon abholen. Allerdings wird sie über Wochen einen Schienenverband tragen müssen, um das Gelenk zusätzlich zu stabilisieren. Wahrscheinlich wird sie auch eine ganz leichte Bewegungseinschränkung behalten, wobei fraglich ist, ob man das in einem Jahr noch merken wird. Hunde adaptieren ihre Bewegung sehr schnell an neue Gegebenheiten, z.B. auch nach einer Amputation.

    Arbeiten wir also auf, was eigentlich passiert war:

    Es war eine Keilerei, keine Beißerei. Beteiligt waren Mimi, Faye und Dori und auch wenn so etwas immer mal wieder vorkommt, passiert dabei normalerweise recht wenig. Insgesamt hatten wir KEINE wirkliche Beißverletzung. Irgendjemand hat Mimi zwar am Hinterlauf festgehalten und dabei auch eine kleine Verletzung mit dem Canini hinterlassen, Faye hatte so einen Mini-Tacker an der Vorderpfote, was sie nur am Samstagabend noch ein wenig humpeln ließ. Dori hatte nicht einen Kratzer. Als der Arzt gestern am späten Nachmittag anrief, verwies er nachdrücklich darauf, dass es sich bei Mimis Verletzung um eine unglückliche Verkettung aus Festhalten und Wegziehen handeln würde, nicht um einen Biss und wir sollten mit der Verursacherin nachsichtig umgehen. Machen wir, keine Sorge, wir werden weder Faye noch Dori jetzt abgeben.

    Zumal dieser ganze Mist absolut meine Schuld war! Der ganze Tag war ein wenig hektisch und ich wollte außerdem noch den Pfahl eines Zauns (2 Meter hoch, massives Holz) neu befestigen. Bei den starken Winden der letzten Wochen hatte sich dieser ein wenig gelockert.

    Also Zaunteil zerlegen, Schrauben aus dem Beton, 2-Komponenten-Mörtel in die Löcher, Bolzen rein und nach kurzer Wartezeit den Fuß wieder mit Muttern draufschrauben und alles wieder montieren. Klingt einfach, war es aber nicht. Dementsprechend war meine Laune zwar nicht schlecht, aber ich war auch nicht entspannt. Und so habe ich (Tina war ein wenig einkaufen) es versäumt unsere Hunde zu beruhigen, wenn Briefträger oder Geräusche meiner Arbeit etc. sie ein wenig hochkurbelten. Als dann später Tina mit Mimi vor die Tür ging, regten sich die Anderen noch mehr auf und wieder ließ ich nur Sekunden von meiner Arbeit ab, um an die Scheibe zu bollern und zu schimpfen.

    Als Tina Mimi nach dem Spazerigang in den Garten ließ und kurze Zeit später den Anderen die Terrassentür öffnete, passierte es. Die drei Mädels knallten zusammen, machten einen Heidenlärm und taten so, als wollten sie sich fressen. Ich kam dazu und zusammen mit Tina versuchten wir die drei zu trennen. Und das war Fehler Nummer Zwei! Wahrscheinlich habe ich damit erheblich zur Schwere der Verletzung beigetragen oder sie sogar verursacht, denn ich habe versucht Faye von Mimi weg zu ziehen. Nach diesen ganzen Glanzleitungen habe ich es dann nur mit Hilfe von Martin geschafft, den blöden Zaun fertig zu stellen. Gottseidank haben wir liebe Freunde, ein ganz herzlicher Dank an Silke und Martin, auch nochmal auf diesem Weg.

    Und Emmett? Die aggressive Bestie stand während der Keilerei neben den Mädels und fiepte aufgeregt und vor allen Dingen hilflos. Mehr nicht! Seitdem ist er besonders lieb, tröstet uns und verhält sich von Tag zu Tag vorbildlicher. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

    Eines hat mir dieser Samstag auf jeden Fall gezeigt: Hunde – vor allem mehrere – laufen nicht mal einfach so nebenbei. Egal wie viel Erfahrung man mit Hunden hat, man muss sich auch um seine Vierbeiner kümmern. Nur dann kann man Unfälle wie diesen vermeiden. Und wann immer etwas schief läuft mit unseren Hunden, ganz egal was, sind wir Menschen, wir Hundebesitzer schuld. Niemand anderes und schon gar nicht der Hund. Und immer müssen unsere Hunde den Mist ausbaden, den wir Menschen anrichten.

    Drückt unserer Mimi bitte ganz fest die Daumen, damit sie möglichst schnell wieder auf die Beine kommt. Und passt auf Eure Vierbeiner auf, es geht so schnell, dass sich unglückliche Umstände verketten und dann ist das Leid groß.

    Salli

  • Es ist schwierig…

    Es ist schwierig, ziemlich schwierig sogar, bei Emmett irgendeine Form von aggressivem Verhalten zu finden. Gestern hat uns ein weiterer Freund besucht und mit mir ein wenig gebastelt. Jörg war über fünf Stunden bei uns (nach Schnelltest) und das größte Problem war, jedesmal wenn Jörg auf dem Fußboden hockte, Emmett davon abzuhalten, ihm die Nase ins Ohr zu stecken. Außerdem war Emmett natürlich mega-neugierig, was wir da so alles machen (ich habe den Verdacht, er will auch mal Schrauben, Bohren oder Ähnliches).

    Zu allem Überfluss hat es gestern noch recht heftig bei uns gewittert. Das hat Emmett ungefähr so berührt, wie das Eierlegen einer Wanderameisenkönigin in Zentralafrika, also gar nicht.

    Dann ist Tina mit ihm spazieren gegangen. Nachbarin getroffen. Zwanzig Minuten Kuscheln. Weitergehen. Zwei große Schäferhunde in fünfzig Meter Entfernung entdecken. Einen Lauten machen und heftig an der Leine ziehen. Weitergehen. Sofortiges Beruhigen. Hmh?!?!

    Aggressiver geht er vor, wenn ich mich auf dem Boden auf die Seite lege. Schnell wie der Blitz kommt er angerannt und legt sich mit dem Rücken an meinen Bauch. Drei Minuten später beginnt er ganz ruhig zu atmen und schläft überaus aggressiv neben mir ein.

    Sorry, dass ich so häufig dieses A-Wort benutze, aber ich finde es so überaus schäbig, dass seine frühere Familie ihn mit diesem Wort beschrieb und so viele Gelegenheiten hat liegenlassen, ihn vernünftig zu erziehen. So etwas ist weit mehr als verantwortungslos. In Vorbereitung auf seine Ankunft hatten wir sogar einen Gitter-Maulkorb bestellt, damit ja nichts passiert. Gottseidank haben wir ihn in der Originalverpackung gelassen und zurückschicken können. Die Rücksendung hat zwar etwa drei Euro gekostet, aber ehrlich: Sch… drauf!

    Zur Zeit liegt Emmett übrigens auf dem Sofa und versucht aggressiv, aber vergeblich, seine Augen offen zu halten. Ein wenig mimosenhaft ist übrigens seine Einstellung zu nassem Gras. Lieber eine ganze Nacht aufhalten, als eben nochmal im Garten ein letztes Pippi, wenn das Gras zu feucht ist. Dann steht er demonstrativ auf der Terrasse, mit Blick zur Terrassentür.

    Aber ich will nicht verhehlen, dass es nicht nur einfach und problemlos mit ihm ist. Wann immer seine Erregung (feindliche Vögel im Garten; gibt gleich Futter; es geht gleich raus; Besuch im Flur oder im Garten; etc.) eine gewisse Schwelle übersteigt, fängt er sehr laut an zu bellen. Das kann schon mal nerven und je nachdem wie der Raum beschaffen ist (z.B. wenig Stoff, wie in einer Küche), tut es schon fast weh. Und natürlich bringt der Anblick von zwei Schäferhunden in fünfzig Metern Entfernung ihn dazu, an der Leine zu zerren, dass man das Gefühl hat, hinter einen Trecker gespannt worden zu sein.

    Nachdem man diese Verhaltensweisen über drei Jahre toleriert oder sogar noch gefördert hat, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man beginnt mit einer konsequenten Erziehung, die nur sehr langsam Effekte erzielt und ein jahrelanger Prozess sein wird, oder man deklariert den Hund als agg…
    Ja, ich hör schon auf. Ich weiß, dass Euch das Wort langsam zum Halse heraushängt, aber so etwas lässt mich einfach nicht kalt.

    Sonst ist hier eigentlich alles beim Alten. Emmett bringt bisher im Rudel sehr wenig durcheinander. Alle verstehen sich gut und manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass die Kommunikation zwischen den Vierbeinern eher besser wird. Emmett hat inzwischen zu allen ein gutes Verhältnis und das stärkt das Rudel eher. Wenn er allerdings drauf los poltert, machen die anderen natürlich mit. So what! Ist halt ein bisschen laut, Ohrstöpsel gibts bei Ama-dingsda für ‘n Appel und ‘n Ei und das Zeugs ist auch noch bis morgen da, wenn ich es innerhalb der nächsten soundso Stunden bestelle. Dann kann unser Neuzugang so viel (R)Emmidemmi veranstalten wie er will.

    Nach sechs Wochen lässt er das Betteln am Tisch übrigens fast sein. Ich wette, es hat weniger als eine Woche gedauert, ihm das beizubringen. Nach Adam Riese müssten wir also achtzehn Jahre investieren, um die Fehler der letzten drei Jahre auszubügeln. Na dann: Auf in den Kampf!

    Salli

  • Spike †

    Opa Spike ist mit fast 17 Jahren von uns gegangen. Mimis Opa stammte aus einer holländischen Groß-Zucht. Als der Züchter Weihnachten 2019 verstarb, blieben aus dessen Bestand drei ältere Rüden übrig, Mimis Cousin Valko-Sara, Doris und Emmetts Opa Ysbrand und eben Spike, als ältester Rüde aus diesem Trio.

    Die drei Opas wurden vom Tierheim “Renate Lang” in Horb liebevoll aufgenommen. Ysbrand wurde Nachfolger von unserem kurz zuvor verstorbenen Ollie, Valko-Sara blieb im schönen Schwarzwald und Spike wurde zu Beginn des ersten Lockdowns in die Nähe von Wolfsburg vermittelt. So konnte Spike noch fast ein Jahr Familie genießen und Liebe tanken.

    Unser großer Dank gilt allen, die diese drei Happy-Endings möglich gemacht haben, Manuela Gerhardt, Carola Greiner, Leiterin des Tierheims in Horb und unserer Granny’s Rose Family, die unter anderem auch mit großzügigen Spenden unterstützt haben.

    Mach ‘s gut Opa Spike und wenn Du da oben auf deiner Wolke liegst, hab ein Auge auf deine Enkel und Urenkel.

  • Wie geht’s Emmett?

    Knapp dreieinhalb Wochen nach seiner Ankunft bei uns, geht es Emmett ziemlich gut. In Teilen wird sein Verhalten auch etwas klarer. Allerdings sind wir jetzt auf unsere eigenen Beobachtungen und Rückschlüsse angewiesen, schließlich teilte man uns nicht nur mit, nichts mehr mit uns zu tun haben zu wollen, man wies auch explizit darauf hin, dass wir keine weiteren Informationen zu Emmett bekommen würden. Also gut, ich beschreibe mal, was wir so mit ihm erleben:

    Emmett bettelt seit dem Tag seiner Ankunft am Tisch, und zwar ausdauernd. Versucht man ihn mit ausgestrecktem Arm auf seinen Platz zu schicken, schnappt er nach der dargebotenen Hand. Nun, dass klingt zweideutig. Er schnappt nach einer imaginären Wurst- oder Käsescheibe. Der Hand passiert dabei nicht das Geringste. Es ist wahrscheinlich, dass Emmett am Tisch gefüttert wurde.

    Wann immer wir mit ihm rausgehen wollen, bellt Emmett ganz erheblich. Außerdem zieht er wie wild an der Leine. Mit Doppelführung, also mit Halsband und Geschirr an einer Leine, lässt er sich nach ca. 15 Sekunden beruhigen. Beim eigentlichen Rausgehen zieht er noch ein wenig, aber das legt sich sehr schnell. Heute hatten wir allerdings eine Situation, in der er kaum zu beruhigen war. Ich, schon im Garten befindlich, hatte Tina auf der Terrasse mit Emmett an der Leine etwas zugerufen. Das regte Emmett, warum auch immer, so auf, dass wir ihn nach einer viertel Stunde noch nicht wieder ganz beruhigt hatten. Anfänglich bellte er heftig, nach wenigen Minuten zog er nur noch heftig an der Leine in Richtung Tür.

    Außerhalb des Gartens zieht Emmett an der Leine, wann immer ihn irgendwas interessiert. Auch hier hilft die ruhige und unaufgeregte Doppelführung. Alllerdings tut sich Emmett schwer damit, an der Leine auf seinen Führer zu achten.

    Emmett hat einen Jagdtrieb. Soweit wir wissen, wurde dieser durch das Werfen von Bällen etc. verstärkt. Sieht er durch die Terrassentür einen Vogel, wird er schnell aufgeregt. Spätestens bei einer Katze bellt er heftig und ist schwer zu beruhigen.

    Haustürklingeln, Postboten auf dem Hof, Lieferanten und Ähnliches werden heftig verbellt. Eine kräftige Ansage, verbunden mit der richtigen Körpersprache hilft, um die Erregungsspirale zu durchbrechen. Auch wenn dann noch Menschen im oder vor dem Flur sind, bellt er nicht mehr. Allerdings fiept er ein klein wenig. Körperkontakt und Loben zeigen hier Wirkung.

    Die Aussicht auf Futter erregt Emmett. Egal ob er bellt oder nicht, bekommt er sein Futter erst, wenn er sich etwas beruhigt hat. Wir lassen ihn dann sitzen und er muss warten, bis wir den Napf freigeben.

    Leider bellen unsere drei Mädels immer mal wieder mit. Dadurch wird es natürlich noch schwieriger, Emmett zu beruhigen.

    Wenn Emmett bellt, klingt er furcheinflößend. Selbst bei freudiger Erregung, bellt er dermaßen tief und kraftvoll, dass der Laie es als aggressiv bewerten kann. Ich konnte Emmett allerdings in jeder dieser Situationen anfassen, zurückziehen, bedrängen oder per Körpersprache einschüchtern. Stellt man das Ganze allerdings “falsch” an, fängt er sofort an zu spielen, kaut an meinen Fingern oder leckt mir über die Brille.

    Weder einer unserer Hunde (die Emmett manchmal ganz schön kräftige Ansagen machen) noch wir oder jemand anderes wurde – egal in welcher Situation – in den vergangenen drei Wochen von Emmett wirklich bedroht oder gebissen.

    Emmett muss übrigens nach wie vor noch ein paar Pfunde verlieren, aber wir arbeiten auch an diesem Problem.

    Während seine Mutter ihn öfters ignoriert oder ihn von der Seite anranzt, finden Faye und Dori ihren kleinen Bären richtig toll. Ich glaube, sie würden ihn am liebsten behalten. Scheinbar erinnert er nicht nur uns ein klein wenig an den Jussie-Bären.

    Man kann mit Emmet sehr gut schmusen, Körperkontakt genießt er fast immer. Außerdem kann man jede Menge Blödsinn mit ihm machen, Pfoten fangen, Hände knabbern, Brille ablecken und andere Späße.

    All diese Infos werde ich in den nächsten Tagen natürlich auch auf seiner Seite einpflegen. Emmett wird auch in Alleinhaltung eine Aufgabe sein. Ein wenig körperliche Ausdauer und Kraft könnte anfangs auch von Nöten sein. Wie schon mehrfach geschrieben ist aber das Wichtigste Konsequenz, Ruhe und klare Ansagen. Bestrafungen helfen überhaupt nicht, sondern sind eher kontraproduktiv.

    Wir hoffen weiterhin, dass besseres und wärmeres Wetter das Coronavirus zurückdrängt und wir dann im Garten die Möglichkeit haben, Bewerber für Emmett zu empfangen und uns ohne Masken mit ihnen zu unterhalten. Wer sich bis dahin schon mal auf die Liste der Bewerber setzen lassen möchte, kann sich mit einer ausführlichen Mail an uns unter der Mailadresse .img@.img an uns wenden.

    Bis bald,

    Salli

  • Frohe Ostern!

    Frohe Ostern, liebe Leser, wünschen Euch Tina, Salli, Mimi, Faye, Dori und Emmett. Wir hoffen, dass es Euch an diesem Osterfest allen gut geht, ihr weder Krankheit, noch Mühsal, keine Auseinandersetzungen und keine Angst ertragen müsst. Auch wenn diese Zeiten nicht einfach sind, wünschen wir Euch, dass Ihr Euch auf das besinnen könnt, was wirklich wichtig ist: Frieden, Zufriedenheit, Glück, Gesundheit und Familie, egal wieviele Zwei- oder Vierbeiner sich in dieser versammeln.

    Wir haben in den Jahren 2018 und 2019 dunkle Zeiten erlebt, Krankheit, Angst und den Tod von Jussie und Smilla. Insofern ist das letzte Jahr zwar belastend, aber ich denke, dass uns ein etwas anderer Blick auf diese schweren Zeiten ermöglicht wird. Wir haben uns und wir sind darüber glücklich, auch über so unerwartete Neuzugänge, wie unser Emmi-Bärchi.

    Möge der österliche Friede mit Euch sein, möge Euch Glück und Gesundheit beschert sein und frohe und besinnliche Ostertage. Möge der Frühling kommen und die Natur mit seinem Grün verzaubern, uns Wärme schenken und die Möglichkeit, viel Zeit draußen zu verbringen. Mögen die warmen Temperaturen und die Sonne dieses grausame Virus zurückdrängen und unsere Seelen heilen.

    Frohe Ostern ihr Lieben!

  • Wer hat Angst vor’m bösen Emmett

    Also Martin nicht! OK, Ihr braucht jetzt wohl etwas Kontext:

    Nachdem Emmett sich hier gut wieder-eingelebt hat, mussten wir natürlich mal schauen, wie Emmett auf Besuch reagiert. Da passte es sich sehr gut, dass am Montag und Dienstag ein Kumpel vorbeischauen wollte, um mir beim Kürzen einiger Bäume zu helfen. Am Wochenende messengerte (ich glaube ich habe gerade ein Wort erfunden) ich besagten Kumpel (Martin) an, um ihn von unserem Neuzugang in Kenntnis zu setzen und ihn auf sein grausames Schicksal vorzubereiten. Nachdem Martin ein wenig auf unserer Homepage gelesen hatte, erklärte er sich gerne und selbstverständlich und dankenswerterweise zu diesem gefährlichen Experiment bereit.

    Am Montag Morgen fing ich Martin vor unserem Haus ab und wir gingen ruhig in den Garten. Dann durften unsere Mädels zu ihm und sich beknuddeln lassen. Tina folgte mit Emmett an der Leine. Natürlich zog Emmett wie verrückt und natürlich kläffte er auch laut, aber kaum bei Martin angekommen, schnüffelte er ihn ab und ließ sich nach weniger als einer Minute sogar problemlos streicheln.

    Ich muss hier der Vollständigkeit halber erwähnen, dass Martin auf niederträchtige Weise betrog, indem er Emmett ein frisch geschnittenes, kurzes Stück Ast überließ. Der freute sich natürlich riesig und lief damit mächtig stolz durch den Garten, bevor er sich irgendwo niederließ und genüsslich auf dem Ast herumkaute. Am Dienstag probierten wir es anders herum. Die Mädels und Emmett waren schon im Garten und Martin und ich kamen dazu. Wieder stieg Emmett kräftig in die Leine und bellte laut, aber nur bis er zu Martin durfte. Die beiden sind jetzt dicke Kumpels.

    Martin konnte sich zu jeder Zeit frei im Garten bewegen, egal ob ich in der Nähe war oder nicht. Mir ist klar, dass so etwas im Haus nochmal eine andere Nummer ist, aber diese ersten Erfolge stimmen mich hoffnungsfroh. Es könnte also möglich sein, Emmett die schlimmsten Marotten abzugewöhnen, auch wenn ihm diese konsequent inkonsequent über drei Jahre angewöhnt worden sind.

    Wir hatten also unseren ersten Besuch erfolgreich überstanden. Aber kaum war das geschafft, fiel Emmett auf aggressivste Art und Weise über mich her. Auf dem ersten Foto könnt ihr sehen, wie es begann und Emmett mir in die Hand biss. Vor Schmerzen schreiend warf ich mich auf ihn und versuchte ihn niederzuringen.

    Lange war nicht klar, wer die Oberhand gewinnen würde. Polizei, Rettungswagen, Feuerwehr und natürlich die Bundeswehr wurden gerufen, um diesen Titanenkampf zu beenden, doch schließlich obsiegte der kampferprobte Hundezüchter, indem er den Hund in einen Würgegriff nahm und somit jede Gegenwehr erstickte. Deutlich ist auf dem zweiten Bild auch zu sehen, wie sehr dieser Kampf Mensch und Hund zugesetzt hat.

    Ihr glaubt mir nicht? Dabei habe ich mir solche Mühe mit dieser überaus realistischen Beschreibung gegeben. Also gut, ja, wir haben gespielt, geknuddelt und geschmust! So, jetzt wisst ihr es. Aber das macht mit Emmett eben auch einen Riesenspaß, zumal er so zart ist und selbst wenn er mal ein wenig zu heftig nagt, reicht ein einfaches “Aua” und er lässt sofort nach und beginnt den “Gegner” ganz zart und langsam abzuschlecken.

    Ich habe mich übrigens sehr gefreut, dass der letzte Bericht bei (fast) allen Lesern so gut angekommen ist. Vor allem auf Facebook gab es zahlreiche “Likes” und viele Kommentare, deren einhelliger Tenor Zustimmung zu dem Geschriebenen war. Dass die bisherige Familie von Emmett dieses nicht so sehen würde, war mir von vornherein klar. Das aber auf eine Aneinanderreihung von Fakten (zugegeben etwas flapsig geschrieben) eine so völlig unangemessene Reaktion kam, überraschte mich doch ein wenig. Die ca. drei Seiten lange Mail ließ sich thematisch in drei Abschnitte gliedern:

    • “Ihr seid an allem schuld, an uns lag es nicht!”
    • Untermauerung obiger Aussagen durch (vorsichtig ausgedrückt) alternative Fakten.
    • Ein paar Hinweise auf die wahren Gründe der Abgabe

    Die ersten beiden Punkte verwundern nicht. Natürlich neigt der Mensch dazu, sich zu rechtfertigen und die Heftigkeit der Rechtfertigung zeigt meistens, dass da doch so etwas wie Gewissen ist. Was mich aber besonders bedrückt, ist der letzte Punkt. Wir haben ja deutliche Hinweise darauf, dass Emmett nicht aggressiv ist. Vor allem zu Hause ist er ein Schatz, ein Knuddel, ein Schmuser, der seine Menschen liebt und eigentlich nur dafür sorgen möchte, dass seinen Menschen nichts geschieht. Und auch wenn dieses laut und aufbrausend geschieht, ist es doch der mangelnden Erziehung anzulasten und nicht dem bösen Hund vom bösen Züchter, der genau wusste, dass sich dieses acht Wochen alte Fellknäuel zu einem Menschenfresser entwickeln würde.

    Warum es der letzte Punkt ist, der mich wirklich schockiert? Man muss in dieser Mail nicht mal zwischen den Zeilen lesen. Da steht ganz klar, dass Emmett einfach nicht den Erwartungen entsprach. Man wollte einen gesellschaftsfähigen Hund, der vielleicht sogar zusätzliche soziale Kontakte schaffen würde. Und man fand es fürchterlich und beschämend, dass man von anderen Menschen auf Emmetts “aggressives” Verhalten angesprochen wurde.

    Ja, Emmett wird schnell sehr laut. Ja, Emmett steigt schnell mal in die Leine und es kostet viel Kraft, ihn dann zu halten. Aber wie kann man ein unschuldiges Wesen derart im Stich lassen, nur weil Andere einen komisch anschauen oder ansprechen? Wir Hundebesitzer kennen doch den Typ Mensch, der meint, er würde das Verhalten unseres Hundes besser beurteilen können. Ganz ehrlich, wer einen Arsch in der Hose hat, setzt sich auf diese Äußerungen und knuddelt dafür um so heftiger mit seinem Hund.

    Ich schäme mich in Grund und Boden für das, was ich Emmett angetan habe. Ich schäme mich, dass mir nichts aufgefallen ist, ich schäme mich dafür, dass ich ihm diese drei Jahre zugemutet habe. Und das schreibe ich nicht, um seine bisherige Familie zu diskreditieren und schon gar nicht, um später in Kommentaren zu lesen, wie toll ich bin und dass ich gar nix dafür kann. Ich schäme mich und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

    Insofern werden mich Menschen, die Interesse an Emmett haben, erst mal davon überzeugen müssen, dass sie wirklich das RICHTIGE für Emmett sind und dass sie all seinen Macken mit Gelassenheit entgegensehen. Übrigens das Einzige was hier wirklich hilft.

    Ein Satz aus dieser Mail allerdings machte mich froh und ich hoffe, dass der wenigstens der Wahrheit entspricht und endgültig ist. Es stand nämlich zu lesen, dass man nichts mehr mit uns zu tun haben wolle. Bitte, gerne, wir bauen darauf.

    Salli

    PS: Interessenten finden alles wissenwerte nochmal auf Emmetts Seite.

  • Emmett, der Agressive?

    Eins vorweg: Wenn man einen Hund aus dem Tierheim oder aus anderweitiger Notvermittlung aufnimmt, sollte man vorsichtig sein, das Verhalten des Hundes in den ersten zwei Monaten zu beurteilen. Die natürliche Verhaltensweise des Wolfs/Hundes beinhaltet bei einem Wechsel des Rudels die automatische Akzeptanz des untersten Ranges. Erst nach einigen Wochen beginnt dann die Neuorientierung und damit das Ausprobieren, womit Hund durchkommt.

    Aber natürlich können gute Hundetrainer durch Beobachtung in verschiedenen Stresssituationen schon eine gewisse Ausrichtung im Verhalten feststellen. Zusätzlich können damit auch Traumata aufgedeckt werden. Werden diese Traumata durch bestimmte Situationen wieder aus dem “Verborgenen” hervorgeholt, sind Beißvorfälle etc. ohne weiteres möglich.

    Gestern war Birgit, unsere Hundetrainerin wieder da. Sie war von Emmett überaus begeistert. Selbst unter großem Druck, am Halsband festgehalten und von anderen Hunden (unseren) umringt, hat Emmett nur versucht wegzukommen, zu keinem Zeitpunkt war Aggressivität zu erkennen oder die Absicht, sich durch Beißen der Situation zu entziehen. Im Gegenteil, Birgit beurteilt Emmett als überaus freundlich, zärtlich und liebenswürdig. Was Emmett fehlt, ist (ich habe es schon angedeutet) eine ruhige, konsequente und konsistente Führung.

    Emmett ist absolut kein Held (typisch Kooiker), sondern eher vorsichtig. Trifft er auf etwas Unbekanntes, wird er eine Distanzvergrößerung suchen, was bei Hund/Wolf darauf hinausläuft, dass er so groß und laut und (hier darf man das Wort verwenden) aggressiv wie möglich erscheint. Wenn man das nicht möchte, sollte man seinem Hund Sicherheit bieten und ein echter “Führer” sein. Was nicht hilft ist Lautstärke, komische Hilfsmittel wie Haltis oder Schlimmeres oder womöglich noch eine chemische oder chirurgische Kastration. Nimmt man einem unsicheren Rüden auch noch das Testosteron, wird er noch ängstlicher sein und noch schneller die oben beschriebenen Maßnahmen ergreifen.

    Wenn man das Verhalten seines Hundes ändern möchte, sollte man die Fehler bei sich selber suchen, nicht beim Hund. Und ein Tierarzt sollte kranke Hunde heilen und gute Tipps zur Gesunderhaltung haben. Kastrationen zur Verhaltensänderung oder zur Vermeidung ungewollter Trächtigkeiten sind in Deutschland strafbar. Auch die deutschen Tierschutzvereine sollten dieses bedenken.

    Ich frage mich, wann der erste Ehemann, der monatlichen Stimmungsschwankungen überdrüssig, vom Frauenarzt die Kastration der Ehefrau verlangt, oder wann Ehefrau, genervt von Ehemanns ewiger Meckerei über andere Autofahrer, um eben diese Lösung bittet. Und den aufsässigen, pubertierenden, sechzehnjährigen Sohn, kastrieren wir gleich mit.

    So, nachdem ich jetzt ein wenig meiner eigenen Aggressivität aus mir herausgeschrieben habe, ist auch mein Kopfschüttel-Modus auf einem so niedrigen Level angelangt, dass ich mir keine Sorgen mehr um meine Halswirbel machen muss. Die waren das letzte Mal vor 26 Jahren derartig belastet, da hat mir eine junge Dame nämlich derartig den Kopf verdreht, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Sie hat übrigens in 25 Jahren Ehe nicht einmal verlangt, dass ich mir die Ei…

    … jeijei, jetzt bin ich schon wieder bei dem Thema. Dabei wollte ich doch eigentlich beschreiben, was Emmett für ein toller, verschmuster und süßer Schatz ist. Das findet inzwischen sogar seine überaus skeptische Halbschwester. Wenn sie nämlich nicht irgendwo anderweitig beschäftigt ist oder Emmett gerade mal wieder anranzen muss, leckt sie ihm schon mal zärtlich die Öhrchen aus, putzt ihn am Kopf und findet ihn irgendwie gut.

    Also stelle ich fest, dass Emmet ungefähr so aggressiv ist wie ein Wattebausch. Aber ich möchte an dieser Stelle auch nochmal ganz klar festhalten, dass der Kooiker kein Anfängerhund ist. Der Kooiker wurde über Jahrhunderte dazu gezüchtet, mit einem Menschen auf engstem Raum zusammen zu arbeiten und zu leben. Und deshalb braucht der Kooiker auch etwas zu tun und zwar etwas, dass auch den Kopf anstrengt. Wer glaubt, er könne seinen Kooiker (und viele andere Hunde auch), nur körperlich auslasten, begeht einen großen Fehler. Er trainiert seinen Hund so, dass dieser immer mehr körperlich zu leisten in der Lage ist. Wenn man dann noch den üblen Fehler begeht, Gegenstände, wie Bälle oder Frisbees zu werfen, dann haben wir nach wenigen Monaten einen körperlich topfitten Hund, mit viel Kraft und Ausdauer, der außerdem noch allem hinterherjagt, was sich irgendwie bewegt. Viel Spaß wünsche ich bei dem Versuch, diesen Hund draußen an der Leine kontrollieren zu wollen.

    Wenn Menschen einem Hund und den damit verbundenen Aufgaben nicht gewachsen sind, dann dürfen sie dieses zugeben. Es zeugt von einer gewissen Größe, sich dieses einzugestehen und zu versuchen, den Hund in ein geeigneteres Zuhause zu vermitteln. Dem Hund die Schuld zu geben, ihn aggressiv zu nennen oder zu behaupten, man habe alles getan, aber der Hund wolle sich nicht ändern, ist allerdings nicht hilfreich und zeugt auch nicht von Größe. Hunde sind sehr soziale Tiere, die auch in einem komplexen sozialen Umfeld gut funktionieren können. Der Fehler liegt also nicht beim Hund, sondern bei uns Menschen.

    So, ich stecke jetzt meinen moralischen Zeigefinger mal wieder ein und begebe mich auf den Fußboden, um mit unseren diversen Kooikern zu kuscheln. Mehr über Emmett und unsere Vorstellungen, wie es mit ihm weitergehen könnte, findet Ihr auf seiner Seite.

    Bleibt uns gewogen, Danke für’s Lesen und bis bald,

    Salli