Die Geschichte von Zausel und Marie

Gestern war ein warmer Tag. Auch abends kühlte es nur langsam ab und so gingen wir gegen zehn Uhr noch einmal hinaus in unseren Garten, mit Smilla, Justin, Mimi und Faye und genossen den hereinbrechenden Abend. Es war ruhig und angenehm, die Stille nur durchbrochen vom Gezwitscher der Vögel. Ich mag die Sommerzeit, also auch die Umstellung der Uhren. Es ist abends so herrlich lange hell und Menschen, Hunde und Vögel genießen die Zeit.

Plötzlich wurde unser ruhiger Spaziergang von einem unschönen Geräusch unterbrochen. Ich sah mich um und ahnte, dass ein Vogel gegen eines unserer Fenster geflogen war. Ich war beruhigt, als ich etwas von der Terrasse auffliegen sah. Es war das Amselmännchen, von dem wir schon berichtet hatten, wir haben ihm inzwischen den Namen „Zausel“ gegeben, da er seit dem Beginn der Brutpflege am Rücken etwas zerzaust ausschaut.

Jedenfalls flog Zausel auf die Dachrinne oberhalb der Terrasse, schaute nach unten und begann heftig zu schimpfen. Mir schwante, dass etwas im Argen lag und so bewegte ich mich rasch zum Haus, um zu sehen, was den Amslerich so störte. Auf den Steinen vor unserem Fenster lag ein Amselweibchen auf dem Rücken, fast reglos, nur ihr Atem ging schnell und aufgeregt. Ich hob sie sofort auf, nahm sie in meine schützenden Hände und redete beruhigend auf sie ein. Nach kurzer Zeit bewegte sie schon wieder den Kopf und ich war sehr erleichtert, ein Genickbruch war es also nicht.

Aber etwas schien nicht zu stimmen. Sie wirkte orientierungslos und schien das Gleichgewicht nicht halten zu können. Wenn sie mit dem Schnabel nach meinen Fingern zwackte, blieb auch eine kleine Spur Blut zurück und ich machte mir wirklich Sorgen. Während der ganzen Zeit hockte das Amselmännchen noch über mir, sah auf uns hinab, war aber seltsamerweise ruhig. Tina hatte vorsichtshalber schon mal die kleine Käfig-Transport-Box geholt, in der wir Jethro die ersten Tage gehalten hatten. Ich setze sie hinein und wir brachten sie in unseren Welpenraum und verdunkelten das Zimmer. Dann gingen wir auf den Dachboden, holten Jethros großen Käfig und brachten unsere Patientin samt etwas Vogelsand auf dem Boden und einem Schälchen Wasser in dieser besser geeigneten Behausung unter.

Gottseidank haben wir Rolläden zum Abdunkeln, ein Vogel bleibt im Dunkeln ruhig und somit sinkt die Gefahr sich selbst durch wildes Flattern zu verletzen. Wir gingen etwas sorgenvoll ins Bett und lange geschlafen, haben wir auch nicht.

Umso erfreuter waren wir, als wir unsere Patientin heute morgen wohlauf vorfanden. Kaum gab es Licht, versuchte sie aufzufliegen und wir beeilten uns, den Käfig in den Garten zu tragen. Schnell hoben wir das Oberteil ab und kaum geschehen, verließ uns die kleine Vogeldame mit drei bis vier schnellen Sprüngen und einer perfekten Flugeinlage.

Wir saßen noch nicht lange beim Frühstück, als wir das Pärchen gemeinsam auf unserem Rasen beobachten konnten, es war ein schöner Anblick, ein Kloß-im-Hals-Anblick. Das Foto am Anfang des Artikels habe ich dann heute Abend geknipst, aber jedesmal, wenn wir die beiden (wir gaben ihr den Namen „Marie“) heute gesehen haben, gab es eine kleine Ansammlung von Feuchtigkeit in unseren Augenwinkeln.

Tja, Einiges los bei Granny’s Rose …

Salli

 

2 Kommentare

    1. Hallo Silke,

      wir sehen die beiden jeden Tag. Sie haben ihr Nest dort, wo einst Jethro herausgefallen ist. Möglicherweise sind es sogar seine Eltern. Wenn man etwas genauer hinschaut, fällt einem auf, wie unterschiedlich die einzelnen Exemplare der gleichen Art doch sind. Wer zum ersten mal Kooiker sieht, kann sie auch kaum unterscheiden, aber irgendwann …

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